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Satirischer Monatsrückblick Dezember 2017

von | Dez 31, 2017 | Satirischer Monatsrückblick

Man, man, man, jetzt ist der Dezember auch schon wieder um. Der Dezember ist ja der Monat der Überraschungen. Erst steckt uns der Nikolaus etwas in die Schuhe, dann überrascht uns der Weihnachtsmann oder das Christkind, je nach Weltanschauung und Religion. Und zu guter Letzt sind wir überrascht, dass wir überrascht sind, weil das Jahr überraschenderweise schon wieder vorbei ist.

Gleich zu Beginn des Monats gab es die erste Überraschung. Und zwar von der Bahn. Statt unter vier Stunden brauchte der ICE bei der Neueröffnung der Highspeedstrecke München – Berlin dann doch über 6 Stunden. Der Grund: Pannen! – Also ganz was Neues bei der Bahn!
Aber macht nichts, immerhin wurden über 25 Jahre an der Trasse gebaut. Im Highspeedland Deutschland. Was außer Pannen kann man von einem Unternehmen erwarten, in dessen Vorstand ein Ronald Pofalla sitzt.

Gar nicht überraschend war die Diätenerhöhung der Bundesregierung. Äh…moment, wir haben ja noch gar keine Regierung. Also die Nicht-Regierung hat sich die Diäten erhöht. Wie war das noch: Leistung muss sich wieder lohnen. Da hat sich halt die Nicht-Regierung eine Gehaltserhöhung geleistet, die sich lohnt. Gleichzeitig wurde die Erhöhung des BAföG für Studenten verschoben. Klar – die faulen Studentensäcke leisten ja auch nichts. Lümmeln den ganzen Tag in der Cafeteria rum und wundern sich, dass sie nach dem Studium zehn Jahre nur Praktikanten-Jobs kriegen, bei denen sie dem Chef Kaffee kochen müssen.

Keine Angst, ich möchte hier nicht in die Neid-Debatte einstimmen. Während die Kinderarmut und die Altersarmut steigen, ist die Erhöhung der Diäten kein Hinweis auf die Gier oder die Weltfremdheit der Abgeordneten, sondern ein weiteres Zeichen steigender Armut. Nämlich der geistigen Armut unserer Staatsverantwortlichen.
Also alles in allem – keine große Überraschung.

Und während ich mich auf Silvester freue, lese ich: Ab 2018 ist Bleigießen laut einer EU Verordnung verboten.
Der Grund? Achtung –Überraschung: Bleigießen enthält besonders viel Blei!
Ja – da musst du erst einmal drauf kommen.

Blei ist ja gefährlich, schon geringe Mengen sollen bei Kindern Intelligenz- und Verhaltensstörungen verursachen.
Das lässt vermuten, dass Donald Trump als Kind wahrscheinlich besonders viel Spaß am Bleigießen hatte. Wen wundert’s? Keine große Überraschung.

Ich finde ja am Bleigießen die Interpretationen am überraschendsten.
„Das sieht aus wie ein Engel“, sagt die Oma.
„Quatsch, das ist eindeutig eine Heugabel“, widerspricht der Opa.
„Du spinnst, jeder der Augen im Kopf hat, sieht, dass das ein Wildschwein ist“, behauptet Onkel Herbert.
„Ein Phallus. Eindeutig ein Phallus“, ist sich Tante Inge sicher.

Opa Schlawutzke von nebenan hat mich dann doch noch überrascht. „Nach dem Krieg hatten wir kein Blei“, sagt er, „wir haben an Silvester in den Schnee gepinkelt und die entstandenen Gebilde dann interpretiert. Genau wie beim Bleigießen.“
„Das war dann so eine Art Harngießen statt Bleigießen“, sag ich zu ihm.
„Genau“, sagt Opa Schlawutzke, „aber zu Silvester in den Schnee pinkeln, kannst du ja heutzutage vergessen.“
„Verstehe – es liegt ja nirgendwo Schnee.“
„Nee, das nicht, aber ich kann nicht mehr pinkeln.“

In diesem Sinne. Kommen Sie gut ins neue Jahr. Rutschen Sie gut rein! Und was für ein Ritual Sie auch immer haben, möge es Ihnen Glück und Zufriedenheit bringen. Und natürlich die ein oder andere Überraschung. Natürlich nur positive. Und falls es im neuen Jahr doch mal nicht ganz so läuft, wie es soll, denken Sie dran: Immer schön lächeln!


Spruch des Monats

„Wer niemals träumt, verschläft sein Leben.“

Nikolaus Lenau