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Satirischer Monatsrückblick Februar 2018

von | Feb 28, 2018 | Satirischer Monatsrückblick

Koalitionsverhandlungen, Kabinettsbildung, Abstimmung über die GroKo – der Februar hatte es in sich. Eine Pointe jagt die nächste und der Satiriker fragt sich: Wie soll ich das bloß überbieten?

Am letzten Februarsonntag stellte sie, unsere Angie, auf dem Sonderparteitag der CDU ihre Kabinettsliste vor. Spiegel Online titelte „Zeichen der Erneuerung“.
Der war gut, oder? Man, ich dachte immer, ich sei für die Witze zuständig.

Neuer Gesundheitsminister soll Jens Spahn werden. Ein Mann, der Geld mit einer Firma verdient, die die Pharmaindustrie berät. Ein Lobbyist auf einem Ministerposten, na das ist ja wirklich mal was Neues.

Hier ein Link zu dem Foto nach Frau Merkels Personalentscheidungen. Sehen Sie selbst.
Es erinnert eher an ein Gruppenfoto des Volkshochschul-Kurses „Halma spielen für Singles“, als dass es die Assoziation an Erneuerung weckt.
Es sieht eher aus wie ein gemischter Kirchenchor mit der Aura eines Kegelclubs aus Bottrop, als dass sich dahinter ein frischer Geist einer charismatischen neuen Regierung vermuten lässt.

…der Zug fährt in die falsche Richtung…

Der Kirchenchor hat ein paar neue Gesichter, aber das Gesangbuch ist immer noch dasselbe.
Statt mit dem Zug in eine andere Richtung zu fahren, wechselt man den Lokführer. Das Schiff sinkt, aber die Kapelle spielt weiter. Es reicht eben nicht aus, die Tuba durch die Posaune zu ersetzen.
Egal, welches Klischee man verwendet, es stimmt. Egal, welchen hinkenden Vergleich man anstellt, er passt.

Wirkliche Veränderung – Fehlanzeige.
Das Karussell der Profilierungssüchtigen dreht sich weiter. Der parteipolitische Narzissmus erreicht eine neue Blüte. Mit Inhalten setzt man sich auseinander wie mit einem lästigen Geschwür.
Erschöpfte Gesichter nach durchverhandelten Nächten lassen nur eins erahnen: Wer so sehr auf dem Zahnfleisch kriecht, kann keine klugen Entscheidungen mehr fällen. Armes Deutschland.

Und während Unterhändler die üblichen Sprechblasen in die Mikrofone von gierenden Journalisten-Geiern erbrechen, stellt sich der ein oder andere Spitzenpolitiker wahrscheinlich übermüdet die Frage: „In welcher Partei bin ich eigentlich? – Egal, Hauptsache regieren.“

Um das verkommene Altbackene zu kaschieren, umhüllt man es mit dem Mäntelchen der Erneuerung. Politisches Kalkül besiegt wieder einmal echten Veränderungswillen. „Weiter, weiter, immer weiter…“ um mal mit den Worten von Oli Kahn zu sprechen. Doch hier geht es nicht um ein Fußballspiel, sondern um die Zukunft eines Landes.
Immer weiter um jeden Preis, ist doch der eigentliche Stillstand. Am Ende gewinnt man höchstens den Pokal der Eitelkeiten.

Wir verwalten die Leere

Man verwaltet die Leere und arbeitet sich ab an Themen wie Obergrenze für Flüchtlinge und Familiennachzug, die längst zu Worthülsen verkommen sind und verpuffen wie ein feuchtgewordener Silvesterknaller.
Man trifft genau so zielsicher die Themen und Probleme der Bevölkerung wie der HSV das Tor – nämlich überhaupt nicht.

Und aus jeder Pore des Merkelschen Duktus quillt die Botschaft: „Jetzt macht doch mal hin, ich will endlich wieder echte Bundeskanzlerin sein.“
Warum? Wieso? Mit welchen Zielen? Plänen? Strategien? Spielt alles keine Rolle. Reiner Selbsterhaltungstrieb der Macht.

Nein, Erneuerung und Merkel, das passt nicht zusammen. Das ist ein klassisches Oxymoron, ein Widerspruch in sich. Wie ein schwarzer Schimmel, ein alter Knabe, ein stummer Schrei.

Wie sagte Opa Schlawutzke von nebenan: „Die tun, was sie können. Aber genau das ist das Problem. Die können ja nix.“

Und einen Tag nach dem Facelifting des Merkelschen Kabinetts wird Frau Kamp-Karrenbauer mit 98,9 Prozent zur neuen Generalsekretärin der CDU gewählt. Ein Wahlergebnis wie zu Zeiten Erich Honeckers.
Das zeugt doch mal von Geschlossenheit innerhalb der Reihen der Christdemokraten. Die CDU steht geschlossen zu ihrer Generalsekretärin. Ist aber geschlossen nicht das Gegenteil von offen? Und ist Offenheit nicht eine Bedingung für Erneuerung?
In diesem Sinne schließt sich der Kreis.

Zeit für Veränderung

Stillstand heißt ab jetzt Erneuerung. So kann man es wohl am besten zusammenfassen. Nein, geneigter Leser, keine Bange, es wird sich nichts ändern. Wir tun nur so als ob.

Und so schließe ich mit meinem Lieblingszitat von meiner Lieblingskanzlerin: „Man darf sich davon auch nicht irritieren lassen, man muss nur wissen, dass es so etwas gibt und lernen damit zu leben.“
Wäre, hätte, würde, könnte… Das Festival der Konjunktive geht weiter.

Aber einen Hoffnungsschimmer gibt es. Wer denkt, es geht einfach so weiter wie bisher, täuscht sich eventuell.
Um noch einmal den Fußball zu bemühen, jede noch so lange Serie reißt irgendwann. Auch der HSV hat jahrelang geglaubt, er sei unabsteigbar. Warten wir’s ab.

Und ob Sie nun zu den Politikverdrossenen oder zu den HSV-Fans gehören, halten Sie die Ohren steif, geneigter Leser. Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Oder anders ausgedrückt: Immer schön lächeln!


Fotos: von Photo credited to the firm Levy & fils by this site. [Public domain], via Wikimedia Commons; von Times (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons; geralt

Spruch des Monats

„Man staubt Papierblumen ab, wo man Rosen züchten könnte.“

Hans Küng