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Satirischer Monatsrückblick April 2015

von | Apr 30, 2015 | Satirischer Monatsrückblick

Na da schau her. Im April tobte die Welt. Sie spielte Schiffe versenken und Erdplatten verschieben. Und wir? Wir sehen ohnmächtig zu.
Als wenn es nicht schon genug Katastrophen gäbe. Zum Beispiel der Abgang von Dr. Müller-Wohlfahrt beim FC Bayern.

Und neben all diesen Katastrophen meldete sich Hans-Werner Sinn im April zu Wort.
Professor Hans-Werner Sinn. Der ist Wirtschaftsexperte und Chef des renommierten Ifo-Institutes. Was macht das Ifo-Istitut? Wirtschaftsprognosen erstellen. Zum Beispiel sagen die: Also hört mal her, wir haben ausgerechnet, in den nächsten drei Jahren gibt es einen Aufschwung von soundsoviel Milliarden Euro.

Der Mann ist also so eine Art Wahrsager, der die Zukunft vorausberechnet. Genauso hoch ist auch seine Trefferquote. Kaum eine einzige Prognose von Herrn Sinn ist jemals eingetreten. Er verschätzt sich da schon mal um einige Milliarden Euro. Putzig, was? Ein Schelm, der diesen Mann für einen Scharlatan hält.

Wie willst du das auch machen, heute schon sagen, was nächstes Jahr sein wird? Da kannst du auch rausgehen, an die Hauswand pinkeln und rufen: „Ich glaube, es wird nächstes Jahr noch mal regnen!“

Und nun fordert der Herr Professor in einem Artikel der Westdeutschen Zeitung: Zwangssparen für Kinderlose!
Jawohl! Das Geld in der Rentenkasse reicht nicht, also sollen alle, die keine Blagen zeugen, weniger Rente bekommen. Dafür sollen sie zwangsweise 4% ihres Brutto-Einkommens in die Altersvorsorge stecken.

Sinn sinniert

Sinn sinniert

Je mehr Kinder, umso mehr Rente. Statt „Rackern für die Rente“ – nun auch noch „Rammeln für die Rente“! Dann kriegst du so eine Art Zuchtprämie?
Da werden Kinder wie Versicherungspolicen gehandelt. Das geht zu wie auf dem Sklavenmarkt: Vier Buben und drei Mädel – das macht 1000 Euro.

„Der eine steckt seine Kraft in die Kindererziehung, der andere in sein Sparkonto…“, sinniert Herr Sinn.
Ja, da hopsen dir gleich die Knöpfe von der Jacke. Der Mann schmeißt ja alles durcheinander. Wenn ein staatliches Rentensystem nicht funktioniert, kannst du es doch nicht mit der privaten Familienplanung aufrechnen.

Du holst doch auch nicht den Elektriker, wenn das Klo verstopft ist:
„Wir brauchen mal wieder einen, der die Rohre durchpustet, damit die ganze Scheiße abfließen kann.“
„Ich bin der Elektriker, die Scheiße kann ich nicht wegmachen, aber ich kann dir das Licht abklemmen, dann siehste den Dreck nicht mehr!“

„Um Altersarmut vorzubeugen, müssen Kinderlose durch privates Ansparen vorsorgen“, sagte Herr Sinn schon vor zwei Jahren in einem Interview.

Wenn du als 25-jähriger Studienabgänger von einer Praktikantenstelle zur nächsten hechelst, am Ende Taxi fährst, damit du überhaupt die Miete bezahlen kannst – was willst du denn da sparen?

Fakt ist doch, dass man in Deutschland an der Armutsgrenze lebt, wenn man zwei Kinder hat. Das ist doch der Grund, warum die Menschen keine Kinder mehr bekommen, nicht weil sie so egoistisch sind.
Was Herr Sinn vorschlägt, bedeutet, du kannst dir in Zukunft raussuchen, wann du arm wirst. Wenn du Kinder kriegst oder wenn du alt bist.

Wenn eine Gesellschaft möchte, dass genügend Kinder gezeugt werden, dann muss sie halt die Bedingungen dafür schaffen.
Da darf ich nicht für die Wurfprämie Geld aus der Rentenkasse nehmen, da muss ich doch woanders ansetzen: Zum Beispiel freie Schulbücher für alle. Freie Busfahrten zur Schule. Freies Schulessen. Kindergartenplätze. Mietpreisdrosselung, damit man sich mit zwei Kindern eine entsprechende Wohnung leisten kann.

Der Hund das kleinere Übel???

Der Hund das kleinere Übel???

Wenn du Kinder hast und am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist, das ist doch frustrierend. Das hat doch erst einmal gar nichts mit Kinderfeindlichkeit zu tun.

Natürlich sind wir kinderfeindlich. Aber wir haben doch auch alles dafür getan, dass es so ist. Wenn über dir in der Wohnung drei Kinder rumtrampeln, fluchst du doch auch über die Bälger.
Schreit in der Wohnung neben den Schluppendorfs ein Baby und stört die beim Musikantenstadlgucken, kriegt Herr Schluppendorf Schaum vor dem Mund und lässt seinen Dackel Wilhelm noch mal extra in den Sandkasten kacken.
Schreiende Kinder. Grässlich. Wenn die neben den Schluppendorfs einen Köter statt drei Kinder hätten, würden sie sagen: „Ach der Süße, hat er wieder die ganze Nacht wau, wau gemacht. Ist ja auch schlimm für so einen Hund, in so einer engen Wohnung zu leben.“

Ist aber andererseits auch verständlich. Wenn du dir die Chantalles und Kevins dieser Welt ansiehst, da ist der Hund doch das kleinere Übel. Und wenn du von dem Köter die Nase voll hast, freut sich das China-Restaurant um die Ecke.

Aber wen kümmert das, wenn draußen alles blüht und sprießt. Da werden die Hormon-Cocktails in der Lendengegend neu gemixt, da sprießen die Knospen und fließen die Säfte, da trieft die Geilheit aus jeder Pore. Der Mai ist da! Auf geht’s in die Büsche.

Kommen Sie also gut in den Mai und vielleicht gibt’s ja in neun Monaten eine Überraschung. Gut für die Rente wär’s ja. Und falls nicht: Immer schön lächeln.


Fotos:von Hans-Werner Sinn (Hans-Werner Sinn) [CC SA 1.0], via Wikimedia Commons; ByeByeBaby-commonswiki [CC BY-SA 3.0]

Spruch des Monats
„Gar nichts zu tun, das ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich jene, die am meisten Geist voraussetzt.“
Oscar Wilde