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Satirischer Monatsrückblick Juni 2016

von | Jun 30, 2016 | Satirischer Monatsrückblick

Das war ein Juni. Zu Beginn prügelten Engländer bei der Fußball-EM in Frankreich, am Ende waren die Engländer die Geprügelten. Tja, so schnell kann’s gehen.
Aber eins nach dem anderen.

Also Anfang Juni gab es nur ein Thema: Gibt es bei der Fußball EM in Frankreich Terror-Attentate?
Aber dazu kam es nicht. Wahrscheinlich haben die Anführer des IS in irgendeinem Erdloch gesessen und sich vor Lachen in die Hose gepinkelt.
Denn noch ehe die französische Polizei ihr Frühstücksbaguette in den Milchkaffee tunken konnte, hatten sogenannte Fußballfans die Innenstadt von Marseille zu Kleinholz verarbeitet. Ganz ohne Terroristen. – Tja, so schnell kann’s gehen.
Und im Erdloch dachten die IS-Leute: Wozu in teure Sprengstoffgürtel investieren, wenn besoffene Hooligans die Arbeit für uns übernehmen. Und lachten. Und pinkelten sich in die Hose. Vor Lachen. (Siehe oben!)

Ende Juni gab es dann ein anderes Thema: Brexit. Der Austritt Großbritanniens aus der EU, (sprich: Europäische Union).
Boris Johnson, das Gesicht der Brexit-Kampagne, glaubte wohl selbst nicht daran, dass die Briten für einen Austritt stimmen würden.
Aber schwupp, schon war es passiert. Tja, so schnell kann’s gehen.

Jamie Oliver: „Verpiss dich, Boris!“

Und seitdem fragt sich halb Europa: Ist das Brexit oder ist das Satire?
Der berühmteste Koch Großbritanniens, Jamie Oliver, kocht vor Wut und will mit seinem Land nichts mehr zu tun haben.
Einen Koch zum Kochen bringen – das musst du erst mal schaffen.
Oliver hat sogar einen Hashtag mit dem Titel: „Verpiss dich Boris“.

Aber stellen Sie sich das mal in Deutschland vor. Lafer, Lichter, Henssler oder irgendein anderer dieser berühmten Fernsehküchen-Löffelakrobaten würde solch ein Statement abgeben.
Da wünscht man sich ja fast ein Referendum in Deutschland, wenn Fernsehköche dann bereit wären, das Land zu verlassen.

Oder der Koch der Kanzlerin würde Frau Merkel statt eines Auflaufs ihr einen Einlauf machen. Aber dieser Küchenchef der Kanzleramtskantine ist ja auch noch stolz darauf, die Tupperdose der Kanzlerin zu hüten. (Sie wissen schon, die blaue, in der sie…aber das führt jetzt zu weit vom Thema weg.)

Und nun sagen viele Johnson-Anhänger, die für den Brexit gestimmt haben: „So haben wir das nicht gemeint!“

Eine Szenerie wie bei einem Familiendrama einer Großfamilie.
„Ich will mich trennen, aber die Scheidung reich ich noch nicht ein.“
Die anderen EU-Staaten reagieren eingeschnappt: „Dann geh doch!“
Und einige, wie zum Beispiel Herr Juncker, drängeln: „Dann raus, aber so schnell wie möglich. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.“
Dann kommen wieder die Briten: „Aber so war das doch nicht gemeint.“

Merken Sie was? Eigentlich ist dieser Brexit wie das ganz normale Leben.
Vielleicht haben die Briten nur so eine Art Midlife-Crisis. „Ich will noch mal ganz von vorne anfangen, ohne dich, alte Dame Europa. Ich such mir was Jüngeres.“
Johnson sagte: „Wir wollen Europa nicht ganz den Rücken zukehren“.
Das klingt dann wieder ein bisschen wie: „Wir können ja Freunde bleiben.“
Darauf wieder die anderen: „Entweder ganz oder gar nicht.“

Mal davon abgesehen, dass die Briten Europa gar nicht den Rücken zukehren können. Sie können aus der EU (sprich: Europäische Union) austreten, aber nicht aus Europa. Europa ist ein Kontinent.
Stellen Sie sich vor, die Chinesen würden sagen: „Wir treten aus Asien aus.“
Oder die Australier: „Wir treten aus Australien aus.“ Noch blöder.

Raus! – Tja, so schnell kann’s gehen.

Aber das Familiendrama mit der EU geht noch weiter:
Dann kommen zwei Kinder, das sind die Schotten und die Nordiren – jawohl, Großbritannien ist nicht ein Land, sondern vier. Und die beiden nörgeln: „Wir wollen aber nicht. Wir wollen bei Mutti bleiben.“

Obwohl das mit der Mutter ein blöder Vergleich ist, denn Mutterland ist England. Zumindest im Fußball. Und dort hat die Mutter mächtig eins auf die Nase bekommen, von den Isländern. Die haben den Brexit für die Briten im sportlichen Bereich vollzogen. Raus!
Tja, so schnell kann’s gehen.

Nun hoffen wir mal, dass unser Nivea-Jogi mit seiner Nutella-Truppe im Viertelfinale die Italiener vernascht. Ansonsten müssten wir schon wieder sagen: So schnell kann’s gehen!
Aber das ist erst im Juli und wir sind ja noch beim Monatsrückblick Juni.

Ich wünsche allen einen guten Start in die Urlaubszeit. Und denken Sie dran, in einem halben Jahr ist Neujahr 2017. – Tja, so schnell kann’s gehen!

PS: Falls die deutsche Nationalmannschaft traditionell gegen die Italiener verliert, nicht ärgern, sondern: Immer schön lächeln!


Fotos: von Karl Gabor [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons,; football.ua [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons,

Spruch des Monats
„Gar nichts zu tun, das ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich jene, die am meisten Geist voraussetzt.“
Oscar Wilde