Seite wählen

Satirischer Monatsrückblick September 2015

von | Sep 29, 2015 | Satirischer Monatsrückblick

Ja, das war ein September! Man könnte den Monat überschreiben mit: „Und täglich grüßt das Murmeltier!“ – Alles schon mal dagewesen:

VW-Affäre – gabs 2005 auch schon. Da hatte der damalige VW-Personalchef Peter Hartz Edelprostituierte für Vorstandsmitglieder organisiert. Gut, damals ging es nicht um den Auspuff, sondern da wollten sich die Chefs ein anderes Rohr durchpusten lassen.

Und natürlich hat Herr Winterkorn von den ganzen Tricksereien beim Diesel nichts gewusst. Mich hätte es nicht gewundert, wenn er gesagt hätte: „Was, wir bauen auch Autos? Wusste ich gar nicht.“
Dabei ist er laut Homepage vom VW-Konzern seit 2000 Vorstandsmitglied. Und wissen Sie in welcher Abteilung? „Forschung und Entwicklung“! Lustig, was?

Manfred, mein Autoschrauber hier ums Eck, der kann die ganze Aufregung nicht verstehen.
Der sagt: „So eine Karre, die muss doch richtig qualmen und Krach machen, das dient doch auch der eignen Sicherheit. Dass die andern Verkehrsteilnehmer dich überhaupt wahrnehmen. Hör mir doch auf mit diesen Hybrid-Dingern und Elektroautos. Die hörste nicht mal. Da kannste doch gleich Busfahren. Das macht doch gar keinen Spaß.“

Als wenn das was Neues wäre: Gefälschte Angaben! Auch da kannst du sagen: „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Auf dem Eimer Farbe vom Baumarkt steht auch, der reicht für 100 qm. Und dann reicht die Brühe gerade mal fürs Bad. Und das ist noch zur Hälfte gefliest.

Opa Schlawutzke von nebenan meinte zu mir: „Winterkorn? Ich dachte bis jetzt immer, das ist ein Schnaps, den es in der kalten Jahreszeit gibt.“
„Nee“, sag ich, „dass ist der VW-Chef…äh…war der VW-Chef.“
„Und dann haben die auch noch Software in die Autos eingebaut,“ regt sich Schlawutzke auf, „da denkst du, du fährst Auto, dabei sitzt du auf einem Laptop.“

Und täglich grüßt das Murmeltier

Und täglich grüßt das Murmeltier

Aber mal ehrlich, da freut sich halb Deutschland, dass der Winterkorn mit viel Gedöns rausgeschmissen wird, dann geht er noch von selbst. Der gönnt uns aber auch gar nichts.
Haben Sie gehört, was er auf der Pressekonferenz gesagt hat?
„Ich bin bestürzt, über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist…Mein Antrieb war es immer, dem Unternehmen, vor allem unseren Kunden und Mitarbeitern zu dienen…“

Ich dachte nur, jetzt kommt gleich noch: „Ich liebe euch doch alle!“

Schlawutzke meint nur: „Mein Antrieb, mein Antrieb – wenn ich das schon höre. Da schwillt mir der Kamm. Hätte er sich doch mal um einen ordentlichen Antrieb gekümmert. Und zwar bei seinen Autos.“

Ich sag: „Opa Schlawutzke, du musst dir mal vorstellen, der Winterkorn kriegt jetzt als Abfindung und Rente wahrscheinlich 62 Millionen Euro.“
„Was, 62 Millionen Euro? Da krieg ich gleich einen Migräneanfall“, Schlawutzke fängt allmählich an zu hyperventilieren, „das sind 155 000 Hartz IV-Sätze. Das heißt, alleine von der Rente vom Winterkorn könnte ein Hartz-IVler 12917 Jahre leben.“

Ich wusste gar nicht, dass mein Nachbar so gut in Kopfrechnen ist, aber ich hab nachgerechnet, es stimmt.

Dann haben sie im September den Fifa-Präsidenten Blatter in die Mangel genommen. Und wieder denkst du „Und täglich grüßt das Murmeltier“.
Unser DFB-Präsident, Herr Niersbach, tut ganz überrascht. So als wäre der Blatter ein lammfrommer Klosterschüler. Aber was willste von DFB-Funktionären erwarten. Der Beckenbauer fragt doch auch jedes Jahr ab Oktober: „Ja, ist denn schon Weihnachten?“ Dabei weiß jedes Kleinkind, Weihnachten ist am 25. Dezember, aber bis Beckenbauer hat sich das nicht rumgesprochen.

Und du denkst an nichts Schlimmes: Plagiatsvorwurf bei der Doktor-Arbeit von Frau von der Leyen. „Und täglich grüßt…“ na, Sie wissen schon! Das gibt’s doch gar nicht. Jetzt hat die Flinten-Uschi auch gemogelt?
Ich vermute, da will sie jemand aus dem Weg räumen. Vielleicht wird sie Mutti Merkel zu gefährlich. Alle Bundeswehrpannen konnten dem blonden Sturmgewehr nichts anhaben, da muss was Handfestes her: Die Doktorarbeit.

Und auch dort wird es so sein wie immer: Abstreiten – Zugeben – Zurücktreten! Die heilige Dreifaltigkeit von Top-Managern und Politikern.

Erichs Lampenladen

Erichs Lampenladen

Man kann nur hoffen, dass das Murmeltier mal verpennt.
Als 2006 der Palast der Republik in Berlin abgerissen wurde, blieb nur noch das wertvolle Stahlgerüst übrig. Nun raten Sie mal, was damit passiert ist.
Genau! Das hat VW gekauft. Und damit schließt sich der Kreis. VW hat den Stahl eingeschmolzen und Motorblöcke draus gebaut. Da denkst du, du fährst ein Prestige-Produkt des Kapitalismus, kutschierst aber ein Stück Sozialismus durch die Gegend.

Und wie wurde der Palast der Republik im Volksmund genannt? – Erichs Lampenladen.
Und bei Lampenladen fällt mir nur ein, wenn wir so weiter machen, geht hier auch bald das Licht aus.

In diesem Sinne, falls Sie Besitzer eines VW-Diesel sind, nehmen Sie es mit Humor. Denken Sie dran: Immer schön lächeln!


Fotos: Maximilian Narr (Eigenes Werk) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons; Istvan [3] [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons

Spruch des Monats
„Gar nichts zu tun, das ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich jene, die am meisten Geist voraussetzt.“
Oscar Wilde