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Satirischer Monatsrückblick September 2020

von | Sep 29, 2020 | Satirischer Monatsrückblick

„Hunderte Asteroiden befinden sich auf Kollisionskurs mit der Erde…Vorwärtsverteidigung im All…Gas auf dem Planeten Venus nachgewiesen…“
Nein, das ist nicht aus einem Science Fiction, das sind nur ein paar Schlagzeilen aus dem Monat September, die auf tagesschau.de zu lesen sind.
Wieso die so etwas schreiben? Keine Ahnung. Wahrscheinlich dachten die sich, das klingt interessanter als „Spahns Corona-Plan im Herbst“ oder „Pandemie im Crashkurs“.

Meinen eigenen Crashkurs in Pandemie hatte ich vor ein paar Tagen beim Einkaufen im Edeka-Supermarkt. Doch dazu später. Erst einmal muss ich verdauen, dass im September beschlossen wurde, Karneval ausfallen zu lassen.
Als hätte uns Corona nicht schon genug gebeutelt, jetzt auch noch ein Leben ohne „De Höhner“, „Kölle alaaf“ und „Hellau“. Das geht eindeutig zu weit. Das hat uns keiner gesagt, als wir zugestimmt haben zu Corona.

Da wird dem Rheinländer die fünfte Jahreszeit gestohlen. Einfach so. Man stelle sich mal vor, das würde der Gesundheitsminister mit irgendeiner anderen Jahreszeit machen: „Mein Name ist Jens Spahn, ich bin gesund…äh, ich bin Gesundheitsmini…also Bandes…äh Bundesgesundheitsdings…naja, ihr wisst schon. So – Winter darf nicht stattfinden!“
Ja, da guckst du wie aus dem Mustopf. Dann war’s das mit Weihnachten, Silvesterknaller, Après Ski und Weihnachtsmarkt.

wenig Alkohol

Apropos Weihnachtsmarkt. Der soll ja auch nur unter Auflagen stattfinden dürfen. Der Söder aus Bayern meinte: „Weihnachtsmärkte ja, aber mit Maske und wenig Alkohol.“
Weihnachtsmärkte mit wenig Alkohol? Da siehst du doch die Sterne nicht mehr. Weihnachtsmarkt mit wenig Alkohol, das ist wie Fußball mit wenig Luft aufm Ball. Naja, oder so ähnlich.
Der Söder müsste doch am besten wissen, dass wenig Alkohol keine Option ist. Unter sieben Weißbier am Tag darfst du doch gar nicht als CSU-Vorsitzender kandidieren, geschweige denn bayrischer Ministerpräsident werden. Nun gut, für einen echten Bayern sind sieben Weißbier wahrscheinlich wenig Alkohol.
Am Ende lassen die dich nur mit Einkaufswagen auf den Weihnachtsmarkt. Wegen des Abstandhaltens. Das hätte den Vorteil, dass du dich volltrunken wenigstens am Einkaufswagen festhalten könntest. Aber volltrunken ist nicht, denn – genau: Wenig Alkohol.

Wer ist eigentlich auf die dämliche Idee gekommen, Einkaufswagen als Abstandshalter zu deklarieren? Als ich vor ein paar Tagen im Edeka war, oder besser gesagt, in den Edeka eindringen wollte, zwecks Kauf von fünf Tomaten, verweigerte mir der Security-Mann am Eingang den Zutritt.
„Du nischt rein. Nur mit Waggen“, erklommen in gebrochenem Deutsch seine Silben die Tiefen meiner Ohrmuschel.
Nun liegt es mir fern, die geistige Elite, die sich Edeka oder andere Supermärkte als Türsteher auserkoren haben, zu beleidigen. Dennoch beschlich mich das unzweifelhafte Gefühl, dass es vorzüglich Männer ohne Hauptschulabschluss sind, denen die Arbeitsagentur solche Jobs vermittelt. (Vielleicht noch alternativ Verkäufer im Handyladen – aber das ist ein anderes Thema.)

Ich brauche doch kein Hilfsmittel, um Abstand zu halten. Zumal überall vor den Kassen knallbunte Linien aufgeklebt sind, die mir verständlich machen: Hier muss ich stehen bleiben.
Außerdem kommen mir beim Einkauf hastende Rentner entgegen, die meinen Körper mit dem ihrigen streifen. Da nützt mir der Einkaufswagen auch nichts mehr. Oder springen die Viren nur nach vorn und hinten?
Als Autofahrer zwingt sie doch auch niemand, einen Einkaufswagen vor die Stoßstange ihres SUV zu schnallen, damit sie dem Fahrzeug vor ihnen nicht zu nahe kommen. Als Autofahrer wissen sie, dass sie ausreichend Abstand halten müssen, weil es sonst gefährlich werden könnte. Nicht nur für ihre Karre, sondern auch für ihre Gesundheit und die ihres Vordermannes.

Und genauso ist es doch im Supermarkt. Wenn ich weiß, dass die Person vor, hinter, neben oder unter mir (nee, unter mir nicht, das streichen wir) eine potentielle Gefahr darstellt, halte ich Abstand. Dafür brauche ich keine Vorschrift, kein Verbot, keinen Einkaufswagen. Dafür brauche ich nur gesunden Menschenverstand.

Was Edeka betrifft, da schlage ich vor, man sollte die Kette, die am Einkaufswagen hängt, mit einer Handschelle versehen. Daran hat man sich selbst zu ketten, bevor man den Laden betritt. Vor der Kasse schiebt man den Packesel aus Eisendraht dann auf eine Waage. Sollte der befüllte Konsum-Rollator unter den vorgeschriebenen 25 Kilogramm Mindestgewicht liegen, heißt es: Stopp! Du musst noch eine Runde drehen und den Wagen mit Dingen befüllen, die du nicht brauchst und die du mit Geld bezahlst, das du nicht hast.

Das alles natürlich nur, um die Ansteckungsgefahr zu vermeiden. Und ein ganz klein bisschen auch, aber nur ein ganz kleines Bisschen, um Edeka die Kassen zu füllen. Ist doch ne gute Sache. Unterstützt den Einzelhandel, sichert Arbeitsplätze und und und. Naja, den ganzen Schmarren, den Sie jeden Tag in der Zeitung lesen, im Radio hören oder im Fernsehen und Internet sehen, warum Sie Dinge tun sollen, die Sie nicht tun wollen, die uns aber allen angeblich so gut tun.

Kommen Sie nun gut in den Oktober. Lassen Sie sich nicht aufhalten, selbst zu denken. Und wenn Sie der Frust packt, hilft nur eins: Immer schön Lächeln!


Foto: blende12

Spruch des Monats
„Die Politik ist das Paradies zungenfertiger Schwätzer.“
George Bernard Shaw