Seite auswählen

Satirischer Monatsrückblick Dezember 2018

von | Dez 31, 2018 | Satirischer Monatsrückblick

Ein Jahr geht zu Ende, Silvester steht vor der Tür, bald wird manch Ballungsgebiet zum Ballergebiet. Und manch Familienvater wird zum Ballermann, nicht nur auf Malle. Aber der Dezember hatte noch andere Kracher auf Lager.

Die Chinesen sind nun tatsächlich hinter dem Mond.
Kurz vor Jahresschluss lief die Nachricht über den Ticker: „Chinesische Raumsonde kurz vor erster Landung auf der Rückseite des Mondes.“

Hinter-dem-Mond-sein galt bisher als rückschrittlich, nun ist es auf einmal ein Zeichen technischen Fortschritts. Und ausgerechnet die Chinesen landen hinter dem Mond, wo wir doch jahrzehntelang dachten, die leben doch schon immer hinterm Mond – also als Metapher, Sie wissen, was ich meine.

Mit der Landung auf der Rückseite des Mondes betreten die Chinesen absolutes Neuland.
Wir Deutschen sind auch hinter dem Mond gelandet, was den Netzausbau betrifft. Und da ja das Internet für uns alle Neuland ist, wie unser aller Mutti einmal behauptete, passt es ja wieder.

Im Dezember gab es tatsächlich eine Studie über die Netzabdeckung in Deutschland. Mit dem Ergebnis, wir sind europaweit ziemlich hintendran, was die Qualität von G3, G4 beziehungsweise LTE betrifft.
Ha, dafür brauch ich keine Studie. Es reicht völlig aus, mal aus dem Haus zu gehen, schon fummelst du mit deinem Smartphone in der Luft herum, kletterst auf Bäume oder Strommasten, um wenigstens einen Balken auf der Anzeige zu erhaschen.

Da kannst du ja gleich die Trommel rausholen oder dir Rauchzeichen geben.
Sogar Albanien hat ein besseres Netz. Und Polen. Also Albanien, das lässt sich der Deutsche ja noch gefallen, aber dass Polen in irgendetwas besser sein soll als Deutschland, das geht ja gar nicht.

Und wen wundert es, dass die Digitalisierung in Deutschland weit hinter dem Mond ist, stammen doch die letzten beiden Minister für Digitales von der CSU aus Bayern, Herr Dobrindt und Herr Scheuer.
Ausgerechnet zwei Bergaufbremser aus dem zänkischen Voralpenland sollen für den digitalen Aufschwung in Deutschland sorgen?
Man fragt doch nicht die Frösche, wie der Sumpf trocken zu legen ist.

Denn in Bayern steht LTE für Leberkäs, Trachten, Erdinger. Ein engmaschiges Netz von Brauereien auf dem Territorium des Freistaates gilt dort als Netzabdeckung. Und wenn im Oberbayern am Wirtshaus ein Schild mit „hier LTE“ hängt, weiß der Bazi, das bedeutet nichts anderes als „hier lauter trinkfeste Eingeborene“.

Einen Vorteil hat der schlechte Netzausbau in Deutschland jedoch. Während der albanische Bergbauer Radio und Fernsehen mit 5G streamt, kommst du gar nicht erst in Versuchung, dir auf dem mobilen Endgerät das Programm von ARD oder ZDF anzutun.

Nicht, dass die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten weit hinter dem Mond leben, immerhin haben sie über die Feiertage „Rudis Tagesshow“ aus den 1970er Jahren ausgegraben, ein untrügliches Zeichen für die Aktualität der ARD. Ohne Netzanbindung bleibt dir außerdem die siebenundzwanzigste Wiederholung eines Tatorts mit Til Schweiger erspart. Ist doch prima.

Was gab es sonst so im Dezember?
Und der Silberfisch der Nation ist wieder getrennt. Also der Silbereisen und die Fischer. Der Florian und die Helene singen nicht mehr im Duett. Die Helene trällert ihre Quinten jetzt in schwindelnder Höhe auf den Hüften ihres Trapezkünstlers.

Das Lied „Stille Nacht“ feierte 200jährigen Geburtstag. Der Text stammte von einem Pastor und die Musik von einem Lehrer. Heute unvorstellbar, dass aus dieser Kombination etwas Kreatives entsteht, das zweihundert Jahre hält.

Und der israelische Schriftsteller Amos Oz ist gestorben. Oz bedeutet im Hebräischen Kraft und Stärke. Und genau das wünsche ich Ihnen, lieber Leser und liebe Leserin, für das Jahr 2019! Viel Kraft und Stärke, damit Sie die Kracher der Realsatire, die das Leben einem vor die Füße wirft, gut überstehen.

Machen Sie das Beste draus. Und wenn’s mal nicht ganz so klappt, wie Sie es sich vorgestellt haben: Immer schön lächeln!


Spruch des Monats

„Wenn es Silvester schneit, ist Neujahr nicht weit!“

Wilhelm Busch