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Satirischer Monatsrückblick Juli 2018

von | Jul 31, 2018 | Satirischer Monatsrückblick

Sommer, Sonne, Hitze. Das war der Juli. Und Urlaubszeit. Manch einer flog in die Ferne, andere besuchten Verwandte, wieder andere bekamen Besuch von Freunden.

Uns hat es in diesem Jahr ganz übel erwischt, eine alte Schulfreundin meiner Frau hat sich für ein paar Tage bei uns selbst eingeladen.
Die Frau hat das, was man sich bei dieser Hitze wünscht – einen Schatten. Und was für einen. Sie ernährt sich ausschließlich von Kräutern und Maiskolben und trägt nur vegane Kleidung aus mundgekauter Jurte.

Britta ist so dünn, dass du zweimal hinsehen musst, um sie einmal zu sehen. Und dann schwatzt sie den ganzen Tag, dass du nicht weißt, ob dir wegen der Schwüle übel wird oder von ihrem Gesülze.
Britta liebt Horst Seehofer und Angela Merkel. Und nun hat sie einen „innerzychischen Konflikt“, wie sie sagt, weil die beiden sich zerstritten haben. (Sie kann „psychisch“ nicht aussprechen, deshalb sagt sie „zychisch“.)
„Am liebsten wäre mir ein Politiker, der die Persönlichkeiten von Merkel und Seehofer vereint“, sagt sie, „eine Art Merkhofer.“
„Oder Seekel“, erwidere ich und spüre sofort, dass meine Anspielung auf das Wort „Ekel“ im frontalen Assoziationskortex ihres Großhirns auf Granit beißt. Oder einfacher ausgedrückt, sie rafft es einfach nicht. Gottseidank reist sie morgen wieder ab.

Der Juli ist wie ein guter Champagner: Extra trocken!

Der diesjährige Sommer ist wie ein guter Champagner: Extra trocken.
Aber die Bauern mögen das überhaupt nicht. Sie haben Ernteausfälle wegen der Trockenheit. Nun fordert der Bauernverband eine Milliarde Soforthilfe.
Wenn es im Sommer zwei Wochen lang regnet, gibt es Ernteausfälle wegen Nässe. Sinkt im Frühjahr das Thermometer ein paar Tage unter Null Grad, gibt es Ernteausfälle wegen Frost. Und wenn im Herbst der Wind etwas stark pustet, dreimal dürfen Sie raten… Genau! Dann gibt es Ernteausfälle wegen Sturmschäden.
Deswegen wirst du ja auch Bauer. Weil es sich von staatlichen Subventionen gut leben lässt.
Das Sonnenstudio geht Pleite, weil sich kein Mensch bei diesen tropischen Temperaturen auf eine Sonnenbank legt, aber da nennt man es unternehmerisches Risiko.

Nun wird es durch die hohen Temperaturen eine ergiebige Weinernte geben. Die Trauben sind saftig, süß und groß. Aber kein Weinbauer käme auf die Idee, die Gewinne an den Kunden weiterzugeben, also der Wein wird in den nächsten Jahren nicht billiger.
Die Bauern sind die neuen Banker. Gewinne werden eingesteckt, Verluste verstaatlicht.

Die Hitze verursacht aber nicht nur Trockenschäden bei der Ernte, sondern auch Hirnschäden bei so manchem Redakteur.
Mitte Juli war bei Spiegelonline zu lesen „So trotzen Sie der Mückenplage“. Eine Woche später heißt es „Dieses Jahr gibt es weniger Mücken“.
Ja, was denn nun?

Hilft gegen Mückenstiche: Weißbier

Interessant ist auch, was die Online-Presse gegen Mückenstiche empfiehlt. Von kühlenden Gels über Stichheiler, Spucke oder aufgeschnittener Zwiebel ist alles dabei. Ein Leser aus Bayern ist felsenfest davon überzeugt, dass Weißbier ein probates Mittel sei. Seine wassertrinkende Ehefrau sei ein beliebtes Opfer der Blutsauger, er dagegen – weißbiertrinkend – bliebe verschont.
Nun gut, nach dem zwölften Bier merke ich auch keinen Mückenstich mehr, völlig egal ob ich von Gnitzen, Kriebelmücken oder der gemeinen Hausmücke gepiesackt wurde.

Opa Schlawutzke von nebenan hat einen Geheimtipp für mich: „Einfach dort kratzen, wo es nicht juckt. Das irritiert den Mückenstich und er verschwindet.“ Davon ist er überzeugt. Nun gut, die Hitze…

Es ist absurd. Wirklich. Es ist so heiß im Juli, dass man es kaum glaubt. „Äpfel bekommen Sonnenbrand“ (Hamburger Abendblatt) Fritten werden teurer, weil die Kartoffeln zu klein sind. Herrschaftszeiten. Dann klebt man halt zwei Fritten aneinander.
Landwirte leiden unter Hitze, Binnenschiffer leiden unter Wassermangel. Opa Schlawutzke meint: „Wassermangel wäre nicht sein Thema, eher Wasserlassen.“

Und dann war ja noch das Thema des Monats Juli schlechthin: Mezut Özil! Ja, genau der, Sie wissen schon.
Opa Schlawutzke hat seine eigene Meinung zu Mezut Özil: „Natürlich kann der Kerl gut Fußballspielen. Aber ich kann ihn einfach nicht leiden.“
Britta (unser dünner Sommerbesuch, Sie erinnern sich) schwatzte am Frühstückstisch drauflos: „Ich weiß gar nicht, was die alle gegen den Özil haben. Der ist doch so süß. Vor allem die schönen Augen…“
Ich bin ja so froh, wenn die morgen wieder verschwunden ist.

In dem Moment kommt meine Frau völlig konsterniert aus dem Haus und ruft: „Die Dürre bleibt mindestens noch eine Woche.“
„Ich denke, morgen wollte sie abreisen!“
„Ich meine die Hitze, nicht Britta.“
Gottseidank, denke ich. Lieber schwitzen als schwatzen.

Und falls Sie, geneigter Leser, in diesem Sommer auch geplagt werden von Hitzewellen, Kriebelmücken oder unerwünschtem Besuch, denken Sie dran: Immer schön lächeln


Fotos: vbosica by pixabay; CarlDurose [CC BY-SA 4.0 ], vom Wikimedia Commons

Spruch des Monats

„Bevor du mit dem Kopf durch die Wand willst, überlege: Was will ich im Nebenzimmer?“

Unbekannt