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Satirischer Monatsrückblick September 2018

von | Sep 30, 2018 | Satirischer Monatsrückblick

Der Monat September wäre schnell abgehakt; Lena Meyer-Landrut zeigt auf Instagram ihre Dehnungsstreifen, was niemanden interessiert, Daniel Küblböck stürzt von einem Kreuzfahrtschiff, was auch niemanden interessiert.
Herr Oettinger nennt Frau Merkel eine lahme Ente, was interessant ist, denn es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn die lahmere Ente auf die lahme Ente mit dem Finger oder – um im Bild zu bleiben – mit dem Flügel zeigt.
Die Bischöfe und Kardinäle der katholischen Kirche sind ganz überrascht ob der vielen Missbrauchsfälle. Was wiederum nicht überrascht, denn Überrascht-Tun ist ein bekanntes Verhaltensmuster krimineller Vereinigungen.

Tja, wären da nicht noch ein paar Dinge, die dem Eichhörnchen die Nuss aus der Pfote schlagen, wie einst ein hessischer Heimatdichter zu sagen pflegte.
Zum einen die Wahl von Ralph Brinkhaus zum neuen Fraktionsvorsitzenden der Union.
„Kauder gestürzt…Brinkhaus nach Kampfabstimmung neuer Fraktionsvorsitzender“, titelte die Hofpresse „tagesschau“.

Ein gut gemeinter Versuch, wohlgenährten Menschen, die mehr oder weniger den Zenit ihres Daseins überschritten haben, durch martialische Begriffe wie „gestürzt“ und „Kampfabstimmung“ etwas Leben einzuhauchen.
Oder um es etwas drastischer auszudrücken: Dieser träge Haufen hat mit Kämpfen so viel zu tun wie ein feuchter Furz mit einem Wirbelsturm.

Herr Brinkhaus wird seit seinem Sieg nicht müde, zu erwähnen, wie sehr er hinter, vor, unter und was weiß ich wo noch der Kanzlerin steht.
Klar, er weiß, wie sie mit ihren Widersachern umgeht: Absetzen!
Die Presse versucht die Niederlage Kauders Frau Merkel anzuhängen und ihr Ende herbeizuschreiben. Alles Quatsch.

Der gelernte Deutsche weiß, dass die UEFA die nächste Bundestagswahl bereits entschieden hat. Deutschland wird Gastgeber der Fußball-EM 2024. Und das lässt sich Mutti als Kanzlerin nicht nehmen. Noch einmal in der Allianz-Arena auf der Ehrentribüne sitzen und die deutsche Mannschaft zum Sieg peitschen. Anschließend in die Umkleidekabine zu den Jungs runter und ein wenig kuscheln mit Özil…oh, Entschuldigung, das war ein Denkfehler. Der ist ja gar nicht mehr dabei.

Aber wer weiß? Vielleicht ist das eine der Bedingungen, die ein gewisser Herr Erdogan an die Bundesregierung stellt: „Hör zu, du Opfer. Angela, wenn willst du, dass ich nehme ein paar Flüchtlinge in Türkei, du musst sorgen dafür, mein Freund Özil wieder spielt in Mannschaft von euer Land.“

Jetzt mal ehrlich, das ist doch Kacke. Und das ist noch das Harmloseste, was mir dazu einfällt: Da labern wir ständig von „unseren Werten“ und dann empfängt die Bundesregierung so eine Knalltüte wie den Erdogan. Unschuldige Menschen verfolgen, inhaftieren. Die Demokratie mit Füßen treten, mit Terrororganisationen mauscheln.

Laut einem Bericht von Report Mainz gibt es eine App, über die Erdogan-kritische kritische Staatsbürger direkt bei der Zentralbehörde der türkischen Polizei denunziert werden können. Noch mal zum mitschreiben: Aus der Türkei stammende Bürger sind in Deutschland dazu aufgerufen, ihre Freunde, Nachbarn, Kollegen in der Türkei zu denunzieren.

Die App kann sich jeder kostenlos im Apple-Store oder im Google Play Store runterladen. Eine Art Stasi-App. Da hast du den Mielke immer in der Tasche dabei.
Wenn du deinem türkischen Nachbarn eins auswischen willst, lädst du die App runter, zeigst ihn an und wenn er das nächste Mal ahnungslos in die Türkei fährt, kaschen ihn die Häscher vom Erdogan weg.

Wenn du diesen Gedankengang auf die Spitze treibst, könnte die App also dafür sorgen, dass immer mehr türkische Mitbürger aus Deutschland verschwinden. Man ist ja in Versuchung geführt, zu spekulieren, ob nicht doch die AfD hinter dieser App steckt.

Und nun empfängt unsere Regierung so einen Gangster mit allen militärischen Ehren. Unsere Werte – da lachen ja die Hühner. Und die Ziege vom Erdogan natürlich auch.
Der Journalist Deniz Yücel, Anfang des Jahres erst aus den Kerkern Erdogans freigekommen, bringt es auf den Punkt: „… wenn demnächst der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier einen Verbrecher zum Staatsbankett empfangen wird,…, dann müssen ‚unsere Werte’ da halt durch…“

Staatsbankett. Nicht auszudenken, wie sie dann alle das Glas auf das Wohl des edlen Gastes erheben. Peter Altmaier war einer der ersten, die zugesagt hatten. Klar, der braucht was Anständiges zu futtern, fällt ja fast vom Fleisch.

In Köln werden mehr als 3000 Polizisten zum Schutz von Erdogan abgestellt. Da fragst du dich doch, wer vor wem geschützt werden muss. Der Erdogan vor den Bürgern oder die Bürger vor dem Erdogan.
Herrschaftszeiten, als Polizist hast du es auch nicht einfach. Jedes Wochenende in die Fratzen von prügelnden Fußballfans zu blicken und jetzt auch noch in die vom Erdogan.

Kurze Fritten

Und dann berichtet die Presse im September, dass Grünkohllieferungen an die Gastronomie ersatzlos gestrichen werden. Wegen der schlechten Ernte.
Jetzt fallen die Kohl- und Pinkelfahrten ins Wasser. So ein Jammer. Brauchst du halt einen anderen Grund, um dich volllaufen zu lassen. Vielleicht ersetzt man den Kohl einfach durch Pflaumen, denn davon gab’s ja reichlich dieses Jahr. Kriegst du hinterher halt einen flotten Otto, aber die Sauf-Tour ist gesichert.

Das sind doch die wahren Probleme. Kartoffeln sollen doppelt so teuer werden. Der Verband der obst- gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie – ja, den gibt’s wirklich – warnt vor leeren Supermarktregalen. Deutschland kurz vor der Hungersnot. Ich fasse es nicht. Da draußen brennt die Welt und wir jammern, dass die Kartoffeln nicht groß genug für die Fritten-Produktion sind.

Um noch einmal den hessischen Volksdichter zu zitieren: „Ist die Fritte noch so kurz, dem Dickdarm ist das alles schnurz.
Fehlt der Grünkohl auf dem Teller, wirkt der Alkohol halt schneller!“

Und wenn ich ehrlich bin, wie lang oder kurz die Fritten sind, das interessiert mich genauso viel, wie die Dehnungsstreifen von Lena Meyer-Landrut.
In diesem Sinne kommen Sie gut in den Oktober. Und: Immer schön lächeln!


Fotos: von SITCK at lb.wikipedia [Public domain], vom Wikimedia Commons

Spruch des Monats

„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“

Albert Einstein