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Nun sollte der Mai eigentlich als ein gemütlicher Wonnemonat daherkommen, in dem wir die ersten sommerlichen Temperaturen bei einem Weißbier im Biergarten genießen. Doch diesen Gefallen tut er uns nicht. Der Mai.
Stattdessen gab es Tumulte in der Türkei, Unruhe in der Ukraine und Schlachten in so manchem Fußball-Stadion. Denn der Mai ist auch der Monat der Endspiele: Pokal-Endspiel, Champions-League-Endspiel, Eurovisions-Song-Contest-Endspiele. Und alle wollen nur eins: Gewinnen! Jawoll! Hauptsache gewinnen. Wie, das ist völlig egal.
Den europäischen Sängerwettstreit gewann die bärtige Conchita Wurst. Gratulation. Der deutsche Beitrag kam auf Platz 18. NDR-Reporter Peter Urban sagte im Fernsehen, der 18. Platz sei sehr gut. Der Fußballverein Eintracht Braunschweig sieht das sicher etwas anders. Alles ist halt relativ.

Und dann die Europawahlen. Auch da galt nur eins: Hauptsache gewinnen! Ich bin froh, dass es endlich vorbei ist. „Endlich“ deshalb, weil ich mich jeden Tag über die Wahlplakate aufgeregt habe. Ansonsten können von mir aus jedes Jahr Europawahlen sein. Oder jeden Monat.
Das ist ohnehin wie bei einem Fußballspiel mit Bayern München. Egal wer der Gegner ist, es gewinnen immer dieselben. In Deutschland hat wieder mal die CDU gewonnen. Obwohl sie verloren hat. Minus 0,6 Prozent.

Die CDU hat sich diesmal einen ganz besonderen Trick ausgedacht: Überall hatte man Frau Merkel aufgehängt. Also ein Plakat von ihr. Dabei konnte man sie gar nicht wählen.
Ich hab das nicht verstanden. Du wirbst doch auch nicht für alkoholfreies Bier mit dem Bild von Rainer Brüderle. Oder stell dir vor, du sollst das beste Katzenfutter wählen. Da machst du doch auch nicht Werbung mit Chappi. Gut, das ist jetzt ein blödes Beispiel, denn Frau Merkel ist ja nicht zum Essen. Aber Sie wissen, was ich meine.

ein richtiges Zugpferd

ein richtiges Zugpferd

Jedenfalls hat der Wolfgang Schäuble bei Günter Jauch erklärt, jeder würde doch gern Werbung mit Frau Merkel machen. Weil das eine Garantie für einen Wahlsieg sei. Mutti ist halt ein richtiges Zugpferd.
Nun, das möchte ich jetzt lieber nicht kommentieren. Doch was nützt das, wenn du hinterher merkst: Dort wo Mutti draufsteht, ist Merkel gar nicht drin, also: du kannst sie gar nicht wählen. Früher nannte man so etwas Etikettenschwindel.

Doch Schlitzohr Schäuble hat zugegeben, es war alles nur ein Werbegag:
„Es ist eine alte Regel in der Werbebranche, dass man so seine Werbemittel einsetzt und seine Kommunikation macht, dass man sich den größtmöglichen Effekt davon verspricht.“
Das ist Politikerdeutsch und heißt übersetzt: „Inhalte sind uns wurscht, Hauptsache wir gewinnen.“ Oder noch simpler: „Wenn es uns nutzt, dann bescheißen wir eben.“

Genau wie der Giovanni di Lorenzo. Der hat ja auch gemogelt. Der ist gleich zweimal wählen gegangen. Als Italiener und als Deutscher. Gut, der hat ja auch die Zeit dazu.
Und prompt hat er den Staatsanwalt an der Backe, weil er laut tagesschau.de eine Strafanzeige vom sächsischen Landesverband der AfD bekommen hat.
Wenn du zweimal deine Stimme abgibst, ist das normalerweise ein Fall für den Logopäden und nicht für den Staatsanwalt.

Aber wahrscheinlich haben die AfD-Sachsen gedacht: „Mir wolln ooch zweema wäähln. Mir sin Saggsn un Deudschä. Da hammor dor ooch de dobbldä Staadsbürscherschawd.“
Aber der alte Pionierausweis zählt nun mal nicht als amtlicher Pass.

7% wie die AfD

7% wie die AfD

Die AfD hat aus dem Stand 7 Prozent geschafft. Das ist so viel wie ein gutes Maibock.
Aber im Ernst, muss man sich jetzt Sorgen um Europa machen? Nein, denn Mutti kümmert sich persönlich um die AfD. Sie Süddeutsche Zeitung verspricht: „Merkel will sich ‚intensiv‘ um AfD-Wähler kümmern.“
Ich frag mich, was sie da machen will? Das klingt ja wie eine Drohung.

Wahrscheinlich lässt sie die AfD verbieten. Alleine schon der Name: Alternative für Deutschland. Eine Partei, die das Wort „Alternative“ in ihrem Namen hat, ist im Königreich von Frau Merkel undenkbar.
„Alternativlos für Deutschland“ – das könnte sich Frau Merkel schon eher vorstellen.

Im Moment ist ihr das alles ziemlich Conchita…äh…Wurst. Denn als großer Fan der Nationalmannschaft denkt Mutti an die bevorstehende WM in Brasilien.
Zwangsvertreibungen von Einheimischen? – Egal! Korruption? – Wurst! Steuergeschenke für die Fifa? – Macht nichts! Tote beim Bau von Fußballstadien? – Nochmal Wurst!
Hauptsache: Wir gewinnen!

Und wer will denn schon als Spaßbremse gelten. Deshalb mal lieber den von pakistanischen Kinderhänden genähten WM-Ball schön flach halten, wenn es um die Kritik an der Fußball-WM geht. Schließlich wollen wir – na was wohl? Genau: Gewinnen!

Dann starten Sie gut in die WM und genießen Sie den Sommeranfang. Und falls Jogis Nutella-Truppe brasilianischen Rasenschach spielt: Immer schön lächeln!

Fotos: Steffen Heinz [CC-BY-3.0], via Wikimedia Commons; von usox (Flickr: floetzinger_maibock) [CC-BY-2.0], via Wikimedia Commons