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Eigentlich lief im September alles ganz normal, kaum etwas Überraschendes ist passiert. Man schlägt sich weltweit weiterhin den Schädel ein und der eine beschuldigt den anderen, er habe angefangen. Nichts Neues also. Edward Snowden bekommt den alternativen Nobelpreis – das war zu erwarten – und nicht mal jeder Sechste Deutsche will Andrea Nahles als Kanzlerin – das ist erst recht keine Überraschung.

Worüber sollst du also als Satiriker schreiben? Sollst du die alten Witze bemühen, wie zum Beispiel: „Die IS köpfen besser als einst Horst Hrubesch“?
Außerdem, wer kennt denn heute noch Horst Hrubesch, das einstige Kopfballungeheuer des HSV? Und über den HSV willst du nun wirklich nicht schreiben, denn Satire soll ja auch Spaß machen.

Wären da nicht die Separatisten, die dem Satiriker doch noch etwas Originelles zu bieten haben.
Nein ich meine jetzt nicht die russischen Separatisten in der Ukraine. Sondern die schottischen in Großbritannien. Jawoll. Am 18. September konnten die Schotten abstimmen, ob sie sich von Großbritannien abspalten sollen. Schottische Unabhängigkeit sozusagen.

Irgendwie erinnert mich das an das kleine gallische Dorf, das sich den starken Römern nicht unterordnen will. Nur, dass in Schottland kein Zaubertrank gebraut wird, sondern Whisky. Und der wird nicht gebraut, sondern gebrannt. Deshalb reden die Indianer in Filmen auch immer vom „Feuerwasser“. (Hahaha, jetzt ist doch ein alter Witz reingerutscht, ich weiß.)

Schottisches "Erdöl"

Schottisches „Erdöl“

Der Name „Whisky“ stammt aus dem Schottisch-Gälischen und bedeutet „Lebenswasser“. Wasser des Lebens. Das ist doch auch eine Art Zaubertrank, da würde ich auch nach Unabhängigkeit streben, denn wenn du einen Zaubertrank hast, was kann da schon passieren.
In jeder Sekunde verkaufen die Schotten 40 Flaschen von dem edlen Gesöff in die Welt.
Je nachdem wie schnell Sie lesen, sind vom ersten Satz bis hierher schon ungefähr 400 Flaschen über den Ladentisch gegangen. Whisky ist Wirtschaftsfaktor Nummer Eins der Schotten, Whisky ist sozusagen das Erdöl der Schotten.

Allerdings verfügen die Schotten in der Nordsee auch noch über echtes Erdöl. Das ist irgendwann jedoch verbraucht. Aber sie haben ja dann noch ihr Lebenswasser. Wahrscheinlich findet man an schottischen Tankstellen dann nicht mehr Normal, Super und Diesel, sondern Highland, Lowland und Islay. Ein vorzüglicher Treibstoff.

Nun aber mal weg vom Whisky zurück zu den Separatisten. Jetzt fangen die Katalanen in Spanien auch noch an und wollen sich abspalten. Stellen Sie sich vor, das macht Schule. Irgendwann kommen die Bayern: Abspaltung von Deutschland. Unabhängigkeit mit Weißwurscht und Bier.
Oder die Schwaben. Rein sprachlich gesehen, gehören die ja ohnehin nicht zu Deutschland. Dann haben wir bald wieder Vielstaaterei, statt EU.

Der stellvertretende CSU-Vorsitzende Peter Gauweiler findet das sicher große Klasse. Er sagte laut FAZ, die Schotten hätten mit ihrer wunderbaren Emazipations-Kampagne allen europäischen Regionen die Ahnung einer Alternative gegeben.

Aber wer glaubt schon, was Zeitungen schreiben. In den letzten September-Tagen häufen sich die Schlagzeilen, dass unsere Bundeswehr nicht mehr einsatzbereit ist. Spiegel Online brachte allein innerhalb von 24 Stunden (24./25.9.) fünf Beiträge:

Hightech bei der Bundeswehr

Hightech bei der Bundeswehr

„Wehrbeauftragter sieht Einsatzfähigkeit gefährdet“, „Leere Backen – Kommentar zur Ausrüstung der Bundeswehr“, „Neue Panne bei Irak-Mission der Bundeswehr“, „Von der Leyens Truppe leistet Offenbarungseid“, „Soldaten dürfen starten – Waffen hängen fest“.

Nur noch 4 Helikopter funktionieren für den Marineeinsatz, es mangelt an Ersatzteilen für Panzer. Die Luftwaffe ist am Boden. Die Ausrüstung der Bundeswehr gleicht der Inventarliste eines Schrottplatzes oder, viel schlimmer, einem maroden Volkseigenem Betrieb der DDR.

Frau von der Leyen, die Verteidigungs-Uschi, fordert eine familienfreundliche Bundeswehr mit Kindergärten.
Was machen, wenn uns Liechtenstein überfällt oder die Luxemburger einmarschieren? Mit Lego-Bausteinen bewerfen? Wir Deutschen sind nicht mehr verteidigungsfähig.

Und instinktiv fordere ich, hey macht mal ein bisschen Kohle locker, damit wir wieder gefechtsbereit sind.
Erst nach einer Weile merke ich, wie ich einer ganz üblen Propaganda-Masche auf den Leim gegangen bin: Schreibe einfach, dein Land ist im Ernstfall nicht mehr zu verteidigen und schon schreien alle nach mehr Ausgaben für die Rüstung. Krauss-Maffei und Heckler & Koch lassen grüßen.
Traue also niemals einer Zeitung, sondern denke selbst.

Und die Schotten? Die haben sich gegen die Abspaltung entschieden. Ganz nebenbei frag ich mich, wie hätten die Schotten sich verteidigt, wenn das mit der Abspaltung geklappt hätte? Mit Dudelsack und Schottenrock?
Oder jede Invasion mit Whisky abfüllen und darauf vertrauen, dass alle ganz friedlich werden?
Schon in der Bibel stand ja „Schwerter zu Brennblasen“ – oder so ähnlich.

In diesem Sinne wünsche ich einen sinnlichen Oktober und immer schön lächeln!

Fotos:
Whiskyherstellung schottland lagerung 17.06.2007“ von Rappilio – Selbst fotografiert (Original-Bildunterschrift: “selbst fotografiert”). Lizenziert unter Wikimedia Commons. „Gribeauval cannon de 12 An 2 de la Republique“ von PHGCOM – self-made, Les Invalides. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.