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Monatsrückblick Februar

„Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.“ Diesen Spruch aus dem letzten Jahrhundert kannte vermutlich auch unser Michel, der Glos. Der hat sich nämlich gesagt, stell dir vor, es ist Wirtschaftskrise und keinen interessierts. Getreu dem Motto, was man nicht beachtet, kommt auch nicht zur Geltung. Ignoranz ist ein scharfes Schwert, es trennt den Schaum vom Bier und die Spreu vom Weizen. Letzteres schien unser Michel in flüssiger Form reichlich zu sich genommen zu haben als er genüsslich die Augen schloss und haarscharf mit dem Intellekt eines Kleinkindes schlussfolgerte, was ich nicht sehe, kann mich auch nicht sehen.
Während, völlig unbeeindruckt vom valiumgeschwängerten Verhalten des Herrn Minister, die Wirtschaftskrise immer größer wurde, wurde dieser immer kleiner und verschwand. Und man fragt sich schon nach wenigen Tagen, war er denn überhaupt jemals da?
Denn der neue Heiland ward über Nacht geboren. Die Nation hat den Retter, der sie aus der tiefen Krise führen soll. Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg heißt der. Seine Kernkompetenzen sind laut Horst Seehofer: zu Guttenberg sei noch nicht so alt und vor allem, er sei jung!
Naja und er ist Franke, genau wie sein Vorgänger. Stammte dieser jedoch aus einer Landwirt-Familie, fließt in den Adern von zu Guttenberg blaues Blut. Tja, bevor man das eigene Land ganz vor die Hunde gehen lässt, krempelt man schon mal selbst die Ärmel hoch. Adel verpflichtet.
In seiner flammenden Antrittsrede spricht er von Zuversicht, die nötig sei, Mut und Hoffnung bräuchten die Menschen. Er selbst sähe Licht am Ende des Tunnels. Den Menschen Zuversicht spenden, ihnen Mut und Hoffnung machen? Mal unter uns: da hätte er doch lieber Priester werden sollen, oder?

Dass die CSU gerade in diesen Tagen zu ihren christlichen Tugenden zurückkehrt, ist schon verwunderlich. Unser aller Benedikt zeigt ja, dass man sich im Moment am Feuer des Heiligen Geistes nicht aufwärmen kann. Selbst der Vatikan steckt in der Krise. Nur die Fehlbarkeit des Papstes scheint unfehlbar zu sein. Nun ja, er ist eben doch nur Stellvertreter. Und die kirchliche Armut scheint sich nun auch auf die Armut im Geiste ausgeweitet zu haben.
Apropos Armut. Die Finanzkrise zeigt, Armsein ist nicht halb so schlimm wie Armwerden. Die eigentlichen Verlierer sind doch die Reichen, denn wer schon immer arm war, konnte auch nichts verlieren. Und von diesen armen Reichen gibt es immer mehr auf der Welt. Zum Beispiel die arme Frau Scheffler, die durch die mutige Aufkaufaktion von Continental unternehmerisches Risiko gezeigt hat. Nun ist sie dafür bitter bestraft worden und ihr Firmenimperium ist pleite. Was sind da schon 6 Milliarden Euro Privatvermögen. Der armen Frau muss geholfen werden. Ähnlich wie ihr geht es vielen Managern und Investmentbankern. Zwar besitzen die nicht gerade Milliarden, doch auf millionenschwere Boni und Abfindungen kann man auch hier nicht verzichten. Wie soll man sich im Alltag zurechtfinden, wenn man sich nur alle zwei Jahre den neuen Porsche kaufen kann? Das sind doch schließlich auch nur Menschen.
Und wie menschlich die ganze Branche auf einmal geworden ist, zeigen die Termini, mit denen das ach so dumme Volk eingelullt werden soll: Banken müssen Not leiden, man trennt sich von Problemtöchtern, spielt mit giftigen Papieren, man fährt Verluste ein. Moment mal! Verluste einfahren? Ich dachte, man kann nur Gewinne einfahren. Ein Verlust ist doch ein Minus. Etwas, was gar nicht mehr da ist. Wie kann ich etwas einfahren, das nicht existent ist?
Wie sehr die Finanzkrise die Armut in der Welt forciert, zeigt das Beispiel Russland. Dort hat sich die Zahl der Dollar-Milliardäre von 101 auf 49 faktisch halbiert. Tja, es ist einfach jeder ärmer geworden.
Für Finanzmogul und Geizhals Dagobert Duck wären die Milliardenbeträge, die die Banken verjuchtelt haben, Peanuts. Im Verhältnis zu seinem Vermögen gesehn. Denn der Verlust eines einzigen Kreuzers wiegte im Herzen der reichen Ente so schwer wie für uns ein paar Milliönchen. Schließlich hat sich der gute alte Dagobert mit Klugheit und Erfahrung vom Schuhputzer zum Milliardär hochgearbeitet. Er weiß von jeder einzelnen Münze, wo und wie er sie genau bekommen hat. Und vor allem wofür er sie bekommen hat. Das unterscheidet ihn von den Bankern der Gattung Mensch. Ab und an lässt sich dieser Teufelskerl Dagobert seinem tollpatschig-verarmten Neffen Donald zuliebe zu etwas Herzenswärme hinreißen. Und er verliert dabei für einen Augenblick seinen Reichtum aus den Augen. Doch am Ende siegt die Gier. Und das hat er mit den Bankern der Gattung Mensch gemeinsam.

Finanzkrise hin, arme Reiche her. Die gute alte Märklin gibt’s nicht mehr. Das allein zeigt, wie tief wir im Schlamassel stecken. Womit soll Papa unterm Christbaum jetzt spielen? All seine schönen Kindheitserinnerungen fuhren einmal im Jahr auf H0-Gleisen immer im Kreis. Da war man der Herr aller Stellwerke, bestimmte einzig und allein, in welche Richtung der Zug fährt. Und nun? Aus der Traum! Der Anblick dieser Miniaturwelt trieb selbst hart gesottenen Mannsbildern Glanz in die Augen. (Und Mutti dachte jedes Mal, es sei vor Freude über die Wollsocken.)
Die Pleite von Märklin trifft das Kind im Manne mitten ins Herz, die Pleite von Schiesser trifft ihn einen halben Meter tiefer. Genau unter der Gürtellinie. Schiesser, Sinnbild des Wohlstandes der Nachkriegsgeneration. Das Stück Feinripp mit dem Eingriff vorn. Alles, was dem Mann Halt und Form gegeben hat, ist dahin. Was man(n) einst für die Stange kaufte, kauft man bald von der Stange. Herrenschlüpfer, billig zusammengenäht von Minderjährigen in Asien.

Derweil übt sich unsere Kanzlerin im Pakete packen als wäre Weihnachten. Gut verschnürt hat sie darin u. a. eine Abwrackprämie für alte Autos. Soll heißen, jeder, der seine Rostlaube verschrotten lässt und dafür ein nigelnagelneues Wägelchen kauft, bekommt 2500 Euro. Geschenkt! So manche Schrottpresse hat schon Gelenkschmerzen. Selbst Wagen, die mehr als 2500 Euro Wert sind, werden zu handlichen Quadern umgeformt. Wenns was geschenkt gibt, kennt der Deutsche nix. Autohändler kommen mit der Lieferung der Neuwagen kaum nach. In Brandenburg muss man schon sechs Monate auf einen Opel der Mittelklasse warten. Lange Wartezeiten fürs Auto kennen die noch von früher. Doch was sind 6 Monate gegen 16 Jahre. Das sitzt man im Osten auf einer viertel Arschbacke ab. Das bringt ein Gefühl von Nostalgie und Überlegenheit. Das hebt die Stimmung.
Da kommt Aufbruchstimmung auf und genau das braucht das Land. Da glaubt man selbst der Zuversicht unseres neuen Ministers Karl Theodor Maria usw.. Hoffen wir, dass das Licht am Ende des Tunnels nicht die Scheinwerfer des Zuges sind, der uns demnächst überrollt.
Abgeschickt wurde das Konjunktur-Päcken mit den fünfzig Milliarden übrigens am Freitag, den 13.!