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Monatsrückblick September 2011

Verstehen Sie die Welt? Also nicht die ganze Welt, sondern ihre eigene kleine Welt? Wieso rutscht die Zahnpasta immer dann von der Zahnbürste, wenn du kurz vorm Ausgehen im besten Hemd dir nur noch mal schnell die Zähne putzen willst? Flatsch, hast du einen dicken Zahnpastafleck auf dem feinen Zwirn. Im Schlafanzug passiert dir das nie. Ich versteh es einfach nicht.

Ich verstehe auch nicht, wieso Hartmut Mehdorn auf einmal Chef von Air Berlin ist. Ja, der Mehdorn, der ehemalige Oberschaffner der Nation. Der die Bahn so runtergewirtschaftet hat. Erst Züge, jetzt Flugzeuge. Ist ja fast dasselbe.
Wahrscheinlich hören wir bald in 10 000 Meter Höhe aus dem Lautsprecher: „Aufgrund eines Triebwerkschadens kann unser Flug nicht fortgesetzt werden. Bitte vergessen Sie beim Aussteigen nicht ihr Handgepäck.“
Zwischenzeitlich wurde Hartmut Mehdorn bei der Unternehmensberatung Roland Berger zwischengelagert.

Wieso kriegt dieser Mann immer wieder einen Job, obwohl er seine Unfähigkeit nachdrücklich unter Beweis gestellt hat? Das wäre genauso, als wenn die Eheberatung der Caritas einen Heiratsschwindler einstellt, der schon siebzehnmal geschieden ist. Der wird mir dann verraten, wie meine Ehe noch zu retten ist. Welche Kernkompetenz besitzt der Mehdorn noch, außer dass er unsympathisch ist? Ich verstehe das nicht

Andere Dinge verstehe ich sehr gut. Zum Beispiel darf nur bis zum Oktober Gülle gefahren werden, wegen des Bodenfrostes. Und deshalb wurde im September noch mal so richtig Gülle abgelassen.
Zum Beispiel letzten Sonntag in der ARD. Dort durfte unsere Kanzlerin ihren geistigen Unrat auf das Feld eines johlenden Publikums ausbreiten. (Dieses wird übrigens von einer Agentur bestellt.) Für das Ablassen ihrer Gülle hatte sie auch den richtigen Handlanger. Jauch. Da ist der Name Programm.

Und wahrscheinlich wird ein Heer von Rentnern mir wieder bitterböse Mails schicken, wie ich es wagen kann, so über den Liebling aller Fernsehzuschauer zu schreiben. Günter Jauch ist nämlich Umfragen zufolge der glaubwürdigste Werbeträger und erzielt traumhafte Einschaltquoten. Aber er ist kein kritischer Journalist.

Und so verkam der „Polit-Talk“ am Sonntag zu einer PR-Veranstaltung der Kanzlerin. Eine Kanzlerin, die wahrscheinlich selbst bei Florian Silbereisen im Dirndl tanzen würde, wenn es ihr Wählerstimmen und damit Machterhaltung brächte.
Jauch mimte statistenhaft den karteikartenhaltenden Journalisten. Auf Kosten des Gebührenzahlers. Denn Jauch kassiert vom Gebührenzahler pro Minute 4487 Euro. Tröpfchen für Tröpfchen konnte die Kanzlerin sich entleeren.
Jauch saß auf seinem Stühlchen wie der Klomann auf der Autobahnraststätte vor dem Teller mit den 20-Cent-Stückchen. Kein kritisches Nachfragen. Kein Nachhaken. Nichts. Ich verstehe das nicht.

Und da ich so vieles nicht verstehe, komme ich zu dem Schluss: Ich bin dumm! Ja, so muss es sein.
Der Frankfurter FDP-Politiker Dirk Pfeil hat in einem Interview erklärt: Das schlechte Wahlergebnis der FDP ist nicht Schuld der Partei, sondern die Masse der Wähler sei zu ungebildet. Die FDP versteht nur der Kluge. Der gebildete Deutsche. Und da ich nicht FDP gewählt habe, bin ich halt…naja, Sie wissen schon.

Ich weiß nicht, wie Herr Pfeil zu einem solchen Gedankengang kommt. Vielleicht liegt es an seiner hessischen Umgebung. Auf jeden Fall hat er schon mal den richtigen Beruf, mit dem er der FDP sehr weiterhelfen kann: Er ist nämlich Insolvenzberater.

Und damit wir alle verstehen, was die FDP will, gibt’s in Zukunft an der Volkshochschule Kurse wie „FDP für Anfänger“. Langenscheidt bringt ein Wörterbuch raus „FDP – Deutsch“ und im Fernsehen gibt’s bald eine Quiz-Sendung „Versteh die FDP!“ Und raten Sie mal wer die moderiert. Genau. Günter Jauch.

In diesem Sinne kommen Sie gut in den Oktober und immer schön lächeln!