Seite wählen

Sind Sie im August schon mal Schlitten gefahren? Oder Ski? Nun muss man das nicht unbedingt im August machen, aber möglich wäre es.

Zum Beispiel in Bispingen. Direkt neben der Autobahn. Im Snow-Dome. Eine Riesenhalle, in der man selbst bei 40 Grad im Schatten die Piste runterbrettern können. Also die 40 Grad sind draußen. Drinnen ist es kalt wie im Winter.

Nun weiß ich nicht, wer auf die Idee gekommen ist, dass man das braucht. Ich jedenfalls habe noch nie im Hochsommer am Ostseestrand gelegen und gedacht: „Mensch, so ein bisschen Schnee wäre jetzt nicht schlecht. Da könntest du rodeln oder Ski fahren.“

Aber egal. Mich fragt ja auch niemand. Du könntest ja genauso gut mitten im August am Mainzer Hauptbahnhof stehen und sagen: „Jetzt einfach mal so in die weite Welt hinausfahren. Mit einem Zug zum Beispiel. Das wäre doch nicht schlecht.“ Aber da fragt dich auch niemand, ob du das willst oder nicht.

Ski fahren im August

Also halten wir noch mal fest: Zugfahren im August – das geht nicht. Jedenfalls nicht in Mainz. Ski fahren im August – das geht. Jedenfalls in Bispingen.
Wenn Sie sich jetzt fragen, irgendetwas stimmt doch da nicht. Da kann ich Ihnen nur sagen: Stimmt!

Als ich nach einem Auftritt im August die A7 nach Hause fahre, sehe ich schon von weitem neben der Riesenhalle vom Snow-Dome, eine Riesen-Werbetafel. Und auf der ist eine Frau zu sehen. Von weitem ist nicht zu erkennen, wer das sein soll. Doch neben der Riesenwerbetafel, direkt neben der Riesenhalle, hängt ein Riesenbuchstabe. Ein leuchtendes gelbes „M“.

Sofort ist mir klar, das „M“ steht für „Mutti“. Oder für „Merkel“. Und als ich näher komme, sehe ich tatsächlich auf der Riesenwerbetafel unsere Mutti lächeln.
Ich frage mich, wieso lässt Mutti ihr Bild neben einer Riesenhalle und einem Riesen-„M“ aufstellen? Richtig! Weil da alle hingucken. Und wenn du selbst kein Hingucker bist, musst du dich halt da platzieren, wo alle hingucken. Klingt ziemlich verwirrend, ist aber so.

Gemeinsam erfolgreich Kuchen backen

Außerdem sind bald Wahlen. Und da hat sie eine Botschaft. Auf dem Schild neben der lächelnden Mutti steht: „Gemeinsam erfolgreich“.
Aha, denke ich. Aber da fehlt doch noch was. Gemeinsam erfolgreich – ja was eigentlich? Gemeinsam erfolgreich arbeiten? Gemeinsam erfolgreich Kuchen backen? Gemeinsam erfolgreich Zug fahren? – Nein, das ist Blödsinn.
Wenn schon, dann gemeinsam erfolgreich Schlitten fahren. Immerhin hängt das Bild ja neben einem Berg aus Schnee. Und überhaupt. Wieso wirbt man mit „Erfolg“ direkt neben dem Snow-Dome. An einem Ort, an dem es immer nur bergab geht.

An dieser Stelle fällt mir mein alter Politikoffizier von der Nationalen Volksarmee ein, Genosse Schlibrowski. Der hat mir damals schon immer vorgeworfen: „Zawischa, Sie denken zu viel. Sie müssen auch mal glauben, was die Partei ihnen sagt.“
Ach ja Partei – „CDU“ steht auch noch auf dem Plakat. Wär mir fast nicht aufgefallen.

Und so fahre ich weiter durch den August und bin froh, dass ich diesmal das Auto genommen habe. Denn sonst würde ich vielleicht immer noch auf dem Mainzer Hauptbahnhof stehen.

In diesem Sinne: Kommen Sie gut durch den September. Und wenn ihnen die ganze Wahlwerbung auf den Keks geht, rächen Sie sich. Am 22. September wählen gehen und das Kreuz an der richtigen Stelle machen. Und beim Verlassen der Wahlkabine: Immer schön lächeln!

Abstand unten!