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Monatsrückblick Juni 2010

Nun ist es amtlich, Deutschland hat wieder einen Oberhäuptling! Christian Wulff ist der neue Bundespräsident.
Ansonsten beherrschten drei Themen den Monat Juni: die Fußball-WM, die Weltmeisterschaft in Südafrika und der FIFA World Cup.

Dagegen wirkt der G-20-Gipfel wie ein müdes Kaffeekränzchen abgehalfteter Politiker, die sich in regelmäßigen Abständen treffen, um wieder mal zu bekräftigen, dass sie die Menschheit nicht schützen können vor ein paar durchgeknallten Brokern, die die Welt verzocken wollen.

Doch wen interessiert schon diese globale Verarschung, wenn grade Fußball-WM ist.
Da ist es ja schon schwer, einen Präsidenten zu wählen. Einige Mitglieder der Bundesversammlung sind so sehr im Fußball-Fieber, dass sie auf ihrem Stimmzettel den Namen „Schweini“ geschrieben haben sollen. Experten grübeln, ob sie damit Bastian Schweinsteiger gemeint haben oder ob das gar der Spitzname von Christian Wulff sei. Wer weiß?

Mutti Merkel ist ohnehin stinksauer, weil sie hier in Deutschland einen neuen Bundespräsidenten wählen lassen musste, anstatt in Südafrika der Nutella-Truppe vom Nivea-König Jogi zuzujubeln.
(Insider behaupten, der Köhler sei ohnehin nur zurückgetreten, um der Merkel die WM zu versauen.)

Ein Credo vom Kandidaten Joachim Gauck war: „Auch Deutsche können Revolution“.
Meine 54-jährige Nachbarin Gisela – behangen wie eine Weihnachtstanne und Miss Piggy aus der Muppet Show nicht unähnlich – hält Gauck für den DDR-Nationalspieler, der bei der WM 1974 das 1:0 gegen die Bundesrepublik erzielte.
„Das war Sparwasser“, sag ich. „Jürgen Sparwasser!“
„Spar Wasser! Das war doch die Losung der Wasserwerke Zwickau zum 9. Parteitag der SED.“ trötet die Mittfünfzigerin in der Lautstärke einer Vuvuzela und schiebt sich dabei eine Bratwurst ins Gesicht.

Mit solchen Menschen Revolution, Herr Gauck? Nee, wie soll das denn gehen?
Eher wird Angela Merkel die Nachfolgerin von Günter Netzer im ARD-Experten-Team. Wäre ohnehin zu empfehlen, denn Frisur und Gesichtsausdruck stimmen ohnehin bei beiden völlig überein.

So! Und uns bleiben jetzt noch gut zehn Tage Fußballberichterstattung in ARD und ZDF. Zehn Tage darf der GEZ-Zahler den Kontinent Afrika besser kennenlernen. Zehn Tage sehen wir noch lustige kleine Negerkinder mit ihren weißen Dr.-Best-Zähnchen in die Kameras lächeln.
Immerhin wird die WM in Afrika einen wirtschaftlichen Aufschwung bringen.
Im Hinterland von Angola bekamen linientreue Parteimenschen von der Regierungspartei zur WM sogar große Flachbildfernseher geschenkt. Einziges Problem: Es gibt dort nicht einmal Strom!

Derweil erzählt man sich in Bundestagsabgeordnetenkreisen (welch lyrisches Wort) diesen Witz: Nenn mir eine Nervensäge mit 8 Buchstaben! – Vuvuzela! – Nee, Profalla! – Hahaha! Mit diesem karnevalistischen Volltreffer wünsche ich uns allen einen schönen Juli.

Und noch etwas: Am liebsten wäre Mutti Merkel Michael Ballack als Bundespräsident gewesen. Denn, egal wie schwer man den auch foult – der tritt nicht zurück.
Also dann, immer schön lächeln!