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Was war die Nachricht des Novembers?
Ströbele war bei Snowden! Nein – das ist nur die Spätfolge, wenn Männer über 60 zu lange draußen alleine Fahrrad fahren.
Die SPD und die CDU haben ewig gebraucht, um sich einig zu werden! Nein – das ist nur die Konsequenz, wenn man Muttis Streuselkuchen zum Wahlkampfthema macht.
US-Außenminister Kerry schleimt „Ich liebe Deutschland“! Nein – das ist nur der Beweis, dass Stasi-Chef Erich Mielke einen Nachfolger gefunden hat.
Was dann? Bio-Adventskalender für Hunde? Der Polonium-Fund in Arafats Leiche?

Zimt-Krieg

Das alles ist unwichtig. Die Nachricht des Novembers lautet: Die Europäische Kommission will die dänische Zimtschnecke verbieten lassen.
Ja, genau die Kommission, die den Beugungswinkel der Banane und die Übermotorisierung bei Staubsaugern regelt. Es gibt ja auch nichts Wichtigeres, gell?
Die dänische Zimtschnecke, in Fachkreisen kanelsnegler genannt, ist also vom Aussterben bedroht.

Ganz Dänemark probt den Aufstand. Bei Spiegel-Online ist von „Zimt-Krieg“ die Rede. Wie aus geheimen Kreisen bekannt, tüfteln dänische Forscher bereits an einer besonders gefährlichen Waffe aus Smörrobröd und Roter Grütze. Damit will man Brüssel so lange zuschütten, bis die EU-Verordnung über Zimtschnecken zur Schnecke gemacht wird.

Schwedische Kanelbulle

Schwedische Kanelbulle

Die EU-Krisenmanager rudern inzwischen zurück. Naja, rudern ist vielleicht der falsche Ausdruck im Zusammenhang mit einer Schnecke. Sagen wir mal, sie kriechen zurück. Es soll sich nämlich nur um ein Missverständnis handeln. Die Dänen können Zimtschnecken machen, so viel sie wollen. Allerdings ist im Zimt der Aromastoff Cumarin. Und der ist ab einer bestimmten Dosis giftig.
Jawoll. Der Aromastoff Cumarin verursacht Leberschäden. Und die Dänen sollen sich doch nur an die Richtlinien für Cumarin halten. Also weniger Zimt in die Schnecke. Das ist blöd, denn eine Zimtschnecke, die kaum Zimt enthält, schmeckt nicht nach Zimt.

Nein, geneigter Leser, ich werde jetzt nicht der Versuchung verfallen und als Gegenargument den alten Kalauer bringen, dass Hundekuchen ja auch nicht nach Hund schmeckt. Mit mir nicht. Beim Zimt hört der Spaß auf. Zimt ist für den Gebäckliebhaber das, was für den Grillmeister der Pfeffer auf dem Steak. Zimt ist das Salz im Weihnachtsgebäck. Plätzchen ohne Zimt ist wie Nackensteak ohne Nacken.

Clevere Schweden – ihre Schnecken dürfen bleiben

Die Kommissare aus Brüssel meinen, die Dänen seien ziemlich dämlich. Naja, so haben die das nicht gesagt. Aber sie sagen, die Schweden waren cleverer. Die haben ihre Zimtschnecken, die kanelbullar, als „garantiert traditionelle Spezialität“ einstufen lassen. Und dafür gelten andere Vorschriften. Die dürfen also Zimt reinkippen, bis deine Leber jodelt.

Zuviel Zimt verursacht Leberschäden. Ein Gutes hat die Nachricht: Wir wissen jetzt in unserer Familie, Opa ist nicht am Whisky zugrunde gegangen, sondern am Zimt. Überhaupt müssen sich Ärzte jetzt umstellen in ihren Diagnosen. Dann heißt es nicht mehr: „Sie haben eine Saufleber“, sondern: „Junger Mann, ihre Zimtleber macht mir Sorgen.“

Nur damals bei Opa wusste das noch keiner. – Wie bitte? – Entschuldigung, Oma rief grade von hinten, Opa sei 45 vor Stalingrad von einer Kugel getroffen worden. Und Zimt hätten sie damals noch gar nicht gehabt. Und wenn, dann war der nicht gefährlich, so wie heute. Gefährlich war damals nur der Russe.
Sag ich doch. Opa ist von einer gefährlichen russischen Zimtkugel getroffen worden.

Zimtsterne

Zimtsterne

Ach, was erzähle ich da. Seit ich diese Nachricht von der EU-Schnecke…äh…von der Zimtschnecke gelesen habe, habe ich eine regelrechte Zimt-Paranoia. Überall sehe ich nur noch Zimt. Auf dem Schaum des Cappuccinos, der Rohrohrzucker, Schokostreusel.Selbst beim intimen Blick in meine Unterhose: Zimt! Ich werde wahnsinnig. Ich träume davon, meine Zahnpasta schmeckt nach Zimt.

Aber jetzt Schluss damit. Leberschaden hin, Zimtschnecke her.
Wer hier einen Schaden hat, das ist doch die Frage. Ich weiß nicht, was die Jungs und Mädels in Brüssel rauchen. Aber das Zeug muss noch schädlicher sein als das Cumarin. Nur verursacht das keinen Leberschaden, sondern Schäden am Hirn.

Ich gieße mir jetzt einen ein. Einen Klaren. Den sieht die Leber nicht. Und dann bestelle ich bei meinen Bäcker Zimtsterne für Weihnachten. Einen ganzen Wäschekorb voll. Und Sie? Sie sollten das ebenso tun. Und dann feiern wir alle gemütlich Weihnachten. Mit Zimt. In diesem Sinne wünsche ich erst einmal eine zimtige Adventzeit und: Immer schön Lächeln.

Fotos: Bengt Olof Åradsson; Matthias Rhomberg [CC-BY-2.0]