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Im August jagte ein Geburtstag den nächsten: Helene Fischer wurde 30, Bastian Schweinsteiger ebenso und die Kanzlerin wurde so alt wie beide zusammen. Die Verkehrsampel wiederum wurde 100 Jahre alt, also – richtig gerechnet – die Summe von Schweinsteiger, Fischer und Merkel.

Politisch gesehen ruckelte und rumpelte es im August überall auf der Welt. In der Ukraine, im Irak, in Amerika, nur um einige Schauplätze zu nennen. Große Diskussionen gab es, welche Waffen wir zu den Kurden schicken und ob überhaupt und zu welchen Bedingungen – und zu welchen Kurden. Den Guten oder den Bösen.

Ganz nebenbei laufen klammheimlich die Verhandlungen über das TTIP.
TTIP klingt ein bisschen wie ein Internetportal für Sportwetten, ist aber das Freihandelsabkommen zwischen Europa und Amerika. Und schon überfällt unser Land die Angst vor genmanipuliertem Fleisch aus Amerika.

Die meisten Rindviecher kommen aus Amerika

Kein Staat produziert so viele Rindviecher wie die USA – also das ist jetzt nicht symbolisch gemeint, sondern wörtlich zu nehmen.
Allein in Texas gibt es 13 Millionen Rinder unter 26 Millionen Texanern. Jeder zweite Texaner ist also ein Rindvieh…nee…das stimmt nicht, Entschuldigung. Auf jeden zweiten Texaner kommt ein Rindvieh. So muss es richtig heißen.
Die Rinderzucht bestimmt einen Großteil des Lebens in Texas. Wie sehr Rindviecher das texanische Leben beeinflussen, zeigt allein schon, dass Georg W. Bush einst Gouverneur von Texas war. Oder die Tatsache, dass Texas der Staat mit den meisten Todesurteilen ist. Aber das nur am Rande und symbolisch gemeint.

Rindvieh aus Texas

Rindvieh aus Texas

Die Texanischen Rinderzüchter hoffen nun auf das TTIP, damit sie ihre Rindviecher auch nach Europa exportieren können.
Als wenn es in Europa nicht schon genug Rindviecher gäbe. Aber das ist ein anderes Thema.

Mit dem Freihandel könnten demnächst Klonsteaks, Hormonfleisch und Genfood aus Amerika ohne die strengen deutschen Lebensmittelkontrollen in die deutschen Küchen gelangen. Die Fleischbatzen erhalten so eine Art Diplomatenpass und können ohne Kontrolle die Grenze passieren.
Oder Chlorhühnchen. Das Chlorhuhn ist ja zum Symbol beim Streit um das TTIP geworden. Das Chlorhuhn steht für das Böse, Schlechte und Grausame amerikanischen Essens schlechthin. Das Chlorhuhn ist das Nordkorea unter den Lebensmitteln.

„Die Hühner wollen das auch überhaupt nicht“

„Mit mir wird es Chlorhühnchen nicht geben“, sagte der SPD-Kandidat Martin Schulz im Europawahlkampf.
Der neue Präsident der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker ließ sich sogar zu folgendem Statement hinreißen: „Die Hühner wollen das auch überhaupt nicht.“
Ach, ist es nicht toll, wenn Politiker wissen, was Hühner wollen. Blöd nur, dass sie nie wissen, was die Wähler wollen. Oder es zumindest nach der Wahl schnell wieder vergessen.

Und unsere Kanzlerin? Die versprach – ganz wie es sich für eine verantwortungsvolle Mutter gegenüber ihren Kindern gehört – amerikanisches Geflügel von ihrem Teller fernzuhalten.
Das glaub ich Mutti aufs Wort. Natürlich wird sie amerikanisches Geflügel von ihrem Teller fernhalten. Aber auch von den unsrigen?

Huhn mit Knoblauch, ohne Chlor

Huhn mit Knoblauch, ohne Chlor

Nun, wir wissen alle, was wir von ihren Statements zu halten haben. Sagte sie nicht auch: „Mit mir wird es keine Pkw-Maut geben.“ Oder beim Atomausstieg: „Ja! Nein! Vielleicht! Weiß nicht!“ Oder bei den Waffenlieferungen in den Irak: „Nein! Vielleicht! Mal sehen! Ja!“
So ist sie nun mal, unsere Kanzlerin. Egal, welches Thema, erst rin in die Kartoffeln, dann wieder raus aus den Kartoffeln. In die naturbelassenen, nicht genbehandelten Kartoffeln natürlich.

Als ich mit meinem schwerhörigen Nachbarn, Opa Schlawutzke, über die Gefahr des Chlorhuhns sinniere, sagt der: „Chlorhuhn? Das spielt mein Enkel immer am Computer.“
Ich sag: „Chlorhuhn, Opa Schlawutzke, nicht Moorhuhn. Das Chlorhuhn ist ein richtiges Huhn, was du irgendwann mal auf deinem Teller hast, nur eben dass da Chlor mit bei ist.“
„Na und“, sagt er, „dann isst du das Chlor halt nicht mit.“
So, wie Mutter früher immer sagte, das Fleisch wird gegessen, die Kartoffeln kannst du liegen lassen.

In diesem Sinne hoffen wir mal, dass unser aller Mutti sich von unserem Teller fernhält…äh…dass Mutti sich den größten Teller…nee, nee…dass das Chlorhuhn der Mutti auf den Teller…ach, Sie wissen schon, was ich meine. Auf jeden Fall, kommen Sie gut in den Herbst und immer schön lächeln!

Fotos: Larry D. Moore [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons; Huhn von Dennis.B (Eigenes Werk) [CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0], via Wikimedia Commons